Wohnungsbrände – Wer kommt für die Schäden auf?
Brände – so ziemlich die größte Horrorvorstellung jedes Bewohners eines Hauses oder einer Wohnung.
Aber welche Quellen stellen die hauptsächlichen Ursachen für Brände dar, was kann man tun, um das Brandrisiko zu reduzieren und welche Schäden übernimmt die Wohngebäudeversicherung im Fall der Fälle?
Welches sind die häufigsten Brandquellen?
Kurz: Die häufigsten Brandquellen stellen Elektrizität, menschliches Fehlverhalten, Überhitzung, Brandstiftung und feuergefährliches Arbeiten dar.
1. Elektrizität
Elektrizität ist die häufigste Ursache für Brände in Deutschland. Diese Quelle hat zwischen den Jahren 2014 und 2024 insgesamt 30 Prozent aller Brände herbeigeführt, wodurch ungefähr jeder dritte Brand durch Elektrizität verursacht wird.[1]
Aber welche Brandquellen fallen unter die breit gefächerte Kategorie der Elektrizität?
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Kurzschluss, Kabelbrände und Überlastungen
Im Rahmen von Elektrizitätsbränden kommt es häufig zu Kurzschlüssen- und Kabelbränden.
Ein Kurzschluss entsteht, wenn zwei Punkte aus einem Stromkreis mit unterschiedlichem Potenzial ohne großen Widerstand unmittelbar miteinander verbunden werden. Dadurch fließt eine erhebliche Menge an Strom zwischen den Polen, die Leitungen erhitzen sich erheblich und die Stromstärke steigt plötzlich enorm an.[2] Durch Kurzschlüsse kann es häufig zu Kabel- oder Elektrobränden kommen.
Kabelbrände können außerdem durch schwache Stromleitungen, Überlastungen von Leitungen oder Kabelbrüche entstehen.
Eine häufige Ursache stellt im Alltag dabei die Überlastung von Mehrfachsteckdosen dar. Zu einer solchen Überlastung kommt es regelmäßig, wenn zu viele Geräte an ein und derselben Stromquelle angeschlossen werden. Durch die Überlastung erhitzt sich die Steckdose erheblich, wodurch ein sogenannter Schwelbrand entsteht. Dabei selbst entstehen keine Flammen, weshalb die Brände meistens gar nicht erst entdeckt werden. Befinden sich in der Nähe der Mehrfachsteckdose jedoch leicht brennbare Materialien, wie Stoff, Papier oder Staub, können sich diese entzünden, was zu einem größeren Brand führen kann. Die Gefahr dabei besteht vor allem darin, dass dies jederzeit mehr oder weniger unbemerkt passieren kann, gerade auch wenn niemand im Haus anwesend ist.[3]
Auch elektrische Heizdecken können ein Risiko für Kabelbrände darstellen. Bei der Verwendung der Decke können im Inneren feine Kabel abgeknickt werden, wodurch Isolierungen beschädigt werden können oder sich die Kontakte lösen. An den betroffenen Stellen kommt es dadurch zu einer starken Überhitzung, wodurch der Stoff der Decke in Brand geraten kann.[4]
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Elektrogeräte
Insbesondere im Haushalt können auch weitere elektronische Geräte, wie beispielsweise Spülmaschinen, Herd, Öfen oder auch Föhns zu Bränden führen. Dies kann gerade infolge einer defekten Elektronik, verschmutzter Aggregate oder überhitzter Bauteile entstehen. Auch bei diesen elektronischen Geräten kann es zu internen Kurzschlüssen kommen, die wiederum einen Brand herbeiführen können.
Eine wichtige Rolle spielen dabei auch LED-Lampen: Gerade Hochleistungs-LEDs bringen ein gewisses Brandrisiko mit sich. Dabei kann es zum einen bei abgedeckten Leuchtmitteln durch die Lichtabstrahlung zu einer hohen Temperaturentwicklung kommen. Die Bauteile können dabei stark überhitzen oder umliegendes brennbares Material entzünden.[5]
Zum anderen können defekte oder minderwertige Elektronik dazu führen, dass es zu Funkenbildung oder dem Durchbrennen an bestimmten Teilen der Lampe kommt, was einen Brand im Gehäuse oder der Anschlussleitung bezwecken kann.
Auch Installations- oder Anwendungsfehler können das Risiko von Überhitzungen und Kabelbränden fördern.
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Akkus und Batterien
Eine weitere verbreitete Brandursache im Rahmen der Elektronik stellen Akkus und Batterien dar.
Dabei spielen insbesondere Lithium-Ionen-Akkus eine erhebliche Rolle: Auf der einen Seite sind sie nicht mehr wegzudenken. Smartphones, E-bikes, elektrische Zahnbürsten, Powerbanks – alle diese Gegenstände werden durch Lithium-Ionen-Akkus betrieben, um nicht auf Kabel angewiesen zu sein. Auf der anderen Seite stellen sie allerdings eine der häufigsten Brandquellen dar. Sie alleine machen rund 20 Prozent der Elektrobrände aus.[6]
Aber woran liegt es, dass so viele Brände durch Lithium-Ionen-Akkus verursacht werden?
Grundsätzlich ist die Gefahr, dass diese Akkus in Brand geraten ziemlich gering. Da allerdings immer mehr Geräte kabellos betreiben werden sollen und die Akkus deshalb vermehrt eingesetzt werden, kommt es im Verhältnis dazu auch öfter zu Bränden.
Das Brandrisiko von Lithium-Ionen-Akkus besteht vorwiegend aufgrund ihrer hohen Energiedichte. Im Zuge dessen kann es zu einem sogenannten „thermischen Durchgehen“ der Zelle kommen. Dabei wird die im Akku gespeicherte Energie plötzlich in einem Schwung in Form von thermischer Energie freigesetzt. Dadurch heizt sich der Akku enorm auf und kann Temperaturen bis zu 600 °C entwickeln. Durch die Hitze können außerdem einige der eingesetzten Materialien innerhalb des Akkus zerfallen, wodurch giftige und brennbare Gase sowie Sauerstoff freigesetzt werden. Als Folge kommt es zu einer starken Flammenbildung. Es besteht außerdem eine Explosionsgefahr.
Die Zelle ist dabei grundsätzlich bereits nach wenigen Sekunden durchreagiert. Allerdings führen die Flammen und der heftige Temperaturanstieg häufig dazu, dass naheliegende brennbare Materialien entzündet werden und sich das Feuer in kurzer Zeit ausbreitet.
In größeren Akkugeräten, wie elektrischen Werkzeugen und Haushaltsgeräten, E-Bikes, Powerbanks und so weiter sind darüber hinaus ganze Akkupacks verbaut. Beim thermischen Durchgehen einer Zelle in einem Akkupack geht die entwickelte Hitze oft auch auf die umliegenden Zellen über, was wiederum zum thermischen Durchgehen dieser führt und eine gänzliche Kettenreaktion auslösen kann. Das dadurch entstehende Feuer kann minutenlang oder sogar mehrere Stunden lang brennen. Ist nur ein Teil der Zellen verbrannt, kann der Akku sogar nach mehreren Stunden oder gar Tagen nochmal in Brand geraten. Bei Elektroautos ist in der Regel ein Traktionsbatteriesystem mit mehreren Akkupacks verbaut.
Direkte Auslöser eines thermischen Durchgehens stellen meistens Überhitzungen der Akkus, elektrische Überladungen, interne oder externe Kurzschlüsse des Akkus oder generelle Produktionsfehler dar. Insgesamt entstehen Brände in knapp 3 von 4 Fällen während der Ladephase.[7]
Die Gefahr bei Lithium-Ionen-Batterien besteht folglich darin, dass sich ein einmal entwickeltes Feuer in sehr kurzer Zeit sehr weit ausbreiten kann und dass ein einmal entfachter Brand gegebenenfalls noch nach Stunden erneut auftreten kann.
2. Menschliches Fehlverhalten
Eine weitere verbreitete Brandquelle stellt menschliches Fehlverhalten dar. Dieses verursacht knapp 21 Prozent der Brände in Deutschland.
Ein menschliches Fehlverhalten ist immer dann für einen Brand ursächlich, wenn er durch Unaufmerksamkeit oder ein fehlerhafter Umgang mit Gefahrenquellen verursacht wurde. Dazu zählen insbesondere Fälle, in denen beispielsweise der angeschaltete Herd vergessen wird oder eine Kerze auf dem Adventskranz abbrennt.[8]
3. Überhitzung
Eine hohe Anzahl an Bränden entsteht zudem durch Überhitzung. Überhitzung liegt immer dann vor, wenn ein Brand durch eine deutliche Erwärmung von Materialien entsteht, welche über die eigentlich vorgesehene Temperatur hinausgeht. Dies kann außerdem dadurch entstehen, dass eine entstandene Wärme nicht richtig abgeführt werden kann, sodass ein Wärmestau entsteht.[9]
Dies kann zum Beispiel ebenfalls bei der Verwendung einer Heizdecke erfolgen, wenn sie im zusammengefalteten oder abgedeckten Zustand verwendet wird. Auch dann kann es in Folge eines Wärmestaus zu einer Überhitzung und infolge dessen zu einem Brand kommen.
Ein typisches Beispiel für einen Brand durch Überhitzung, stellt außerdem der Plastik-Pfannenwender auf dem heißen Herd dar.[10]
4. Brandstiftung
Brände können ferner auch durch Brandstiftung ausgelöst werden. Brandstiftung liegt vor, wenn ein eigentlich nicht dazu bestimmtes Sachgut, wie ein Haus, eine Wohnung, Bäume oder ein sonstiger Gegenstand vorsätzlich oder fahrlässig in Brand gesetzt wird. Knapp 9 Prozent der Brände in Deutschland entstehen durch Brandstiftung.
Bei Brandstiftung handelt es sich um eine unerlaubte Handlung, die nach § 306 StGB strafbar ist.
5. Weitere Brandquellen
Brände können darüber hinaus durch weitere Ursachen, wie beispielsweise feuergefährliches Arbeiten, Explosion, offenes Feuer oder weitere Quellen verursacht werden. In einigen Fällen lässt sich die Ursache für den Brand allerdings auch gar nicht aufklären.
Welche Folgen und Schäden entstehen durch Brände?
Bereits kleine Brände können erhebliche Schäden anrichten.
Zum einen entstehen durch das Feuer direkte Brandschäden. Je nach Ort und Ausmaß des Brandes können dabei starke Schäden an der Bausubstanz, wie an Wänden, Dachstuhl und Fassade entstehen. Auch Installationen, Elektrik und Heizung des Gebäudes sowie das gesamte Inventar können dabei beschädigt oder zerstört werden.
Neben den direkten Schäden durch das Feuer, können außerdem Brandfolgeschäden auftreten. Dazu zählen beispielsweise Rauch- und Rußschäden, die an Oberflächen haften bleiben und auch den Geruch des Hauses beeinflussen. Es können darüber hinaus bei den Löscharbeiten enorme Schäden verursacht werden. Durch das Löschwasser kann es zu Wasserschäden und Feuchtigkeit an Wänden, Böden und Dach kommen, es können Dämmungen und der Putz beschädigt werden und letztlich kann das Ganze zur Bildung von Schimmel führen.[11] Zudem entstehen Aufräum- und Entsorgungskosten.
Daneben können zudem Personen- und Gesundheitsschäden verursacht werden. Durch das Feuer und den Rauch kann es beispielsweise zu Verbrennungen oder einer Rauchgasvergiftung kommen.
Ist das Gebäude längere Zeit nicht benutzbar, da es infolge des Brandes hinreichend zerstört wurde, kann außerdem ein Nutzungsausfall entstehen. Im Zuge dessen können außerdem Ersatzwohnkosten durch das vorübergehende Bewohnen eines Hotels oder einer alternativen Mietwohnung entstehen.
Pro Gebäudebrand beträgt der durchschnittliche Schaden ca. 5700 Euro. Im Jahr 2018 sind Versicherungen für knapp 200.00 Brände aufgekommen und haben dafür ungefähr 1,2 Millionen Euro bezahlt.[12]
Die Sanierungskosten für Teilschäden können dabei bis zu 50.000 Euro betragen. Bei Totalschäden können die Kosten in den hohen fünfstelligen- bis sechsstelligen Bereich fallen.[13]
Fallen Brandschäden unter die Wohngebäudeversicherung?
Brandschäden sind grundsätzlich im Rahmen der Wohngebäudeversicherung mitversichert. Als (versicherter) Brand wird dabei jedes nicht gewollte Feuer verstanden, welches ohne einen bestimmungsgemäßen Herd entstanden ist oder diesen verlassen hat.[14]
Ersetzt werden dabei Schäden am Mauerwerk und den Dachsteinen sowie Teile, die unmittelbar im Gebäude verbaut sind, wie beispielsweise Fenster und Türen.[15]
Dabei sind regelmäßig sowohl direkte Schäden, die durch das Feuer selbst am Gebäude entstehen, als auch Folgeschäden, die durch Rauch und Ruß oder die Löscharbeiten entstehen, versichert. Bei der Versicherung kommt es also nur entscheidend darauf an, dass das Feuer ursprünglich die Schäden am Gebäude verursacht hat.[16]
Nicht unter den Versicherungsschutz fallen in der Regel allerdings Schäden, die lediglich durch starke Hitzeeinwirkung oder Glut entstanden sind, sogenannte Sengschäden.
Die Versicherungsleistung kann sich allerdings, je nach abgeschlossener Versicherung oder Tarif, im Detail unterscheiden.
Schäden am Inventar und sonstiger im Gebäude befindlicher Gegenstände können darüber hinaus im Rahmen der Hausratversicherung ersetzt werden.
Aber in welchen der oben genannten Fällen greift die Wohngebäudeversicherung genau ein?
Sind auch Nebengebäude wie die Garage von der Gebäudeversicherung umfasst?
Wie bereits erwähnt, kann es gerade auch bei E-Autos und dem darin verbauten Akkus zu Feuer und Bränden kommen. Betroffen vom Brand ist dann vor allem die Garage, wobei der Brand bei einem starken Ausmaß auch auf das Wohnhaus übergehen kann. Aber kommt die Wohngebäudeversicherung auch für die Brandschäden auf, wenn diese lediglich an der Garage entstehen?
Die Wohngebäudeversicherung kommt per se für Brandschäden an versicherten Gebäuden auf. Somit kommt es maßgeblich darauf an, ob die Garage oder das sonst betroffene Nebengebäude in die Wohngebäudeversicherung aufgenommen wurde oder nicht. Ist die Garage also im Rahmen der Gebäudeversicherung versichert, übernimmt die Versicherung auch Brandschäden, die an dieser entstehen.[17] Dabei ist es außerdem irrelevant, ob der Brand beispielsweise durch das darin befindliche Auto oder ein anderes elektronisches Gerät entstanden ist. Es kommt alleine darauf an, dass an der Garage ein Brand im versicherungsvertraglichen Sinne erfolgt ist.
Die Wohngebäudeversicherung kommt dann für Schäden an der Garage als Bau auf.
Für die in der Garage befindlichen Gegenstände, die bei dem Brand beschädigt wurden, wie z.B. Werkzeuge, Fahrräder und Ähnliches, würde dann die Hausratversicherung aufkommen.[18]
Parallel kann außerdem die KfZ-Versicherung haften, wenn von dem Fahrzeug eine „Betriebsgefahr“ ausging, wodurch die Garage beschädigt wurde.[19]
Sind auch Brände, die durch menschliches Fehlverhalten entstehen von der Versicherung umfasst?
Brände durch menschliches Fehlverhalten werden in der Regel fahrlässig herbeigeführt. Dabei muss allerdings zwischen einfacher- und grober Fahrlässigkeit differenziert werden:
Einfache Fahrlässigkeit liegt gem. § 276 II BGB vor, wenn die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen wird. Ein fahrlässig verursachter Brand läge beispielsweise vor, wenn eine Kerze nur für einen kurzen Moment unbeaufsichtigt gelassen wird oder ein Brand durch ein Haushaltsgerät ausgelöst wird. In diesen Fällen greift der Versicherungsschutz und der Schaden wird in der Regel vollständig durch die Versicherung übernommen.[20] Auch in Fällen von brennenden Lithium-Ionen-Batterien wird, aufgrund der bekannten Brandgefahr, in der Regel von Fahrlässigkeit ausgegangen.[21]
Wird ein Adventskranz mit brennenden Kerzen länger unbeaufsichtigt gelassen oder wird der Herd bei Verlassen des Hauses angeschaltet gelassen, handelt es sich hingegen um grobe Fahrlässigkeit. Dies ist dann der Fall, wenn die erforderliche Sorgfalt in einem außerordentlich hohen Maße außer Acht gelassen wird.[22] Beim Vorliegen grober Fahrlässigkeit hat der Versicherer nach § 81 Abs. 2 VVG die Möglichkeit die Leistung im Verhältnis zur Schwere des Verschuldens des Versicherungsnehmers zu kürzen. In diesem Fall kommt es somit darauf an, wie grobe Fahrlässigkeit im Versicherungsvertrag geregelt wurde. Innerhalb bestimmter Versicherungstarife besteht die Möglichkeit auch Schäden in Fällen von grober Fahrlässigkeit versichern zu lassen. Diese sind in der Regel allerdings deutlich teurer als der eigentliche Tarif.[23]
In besonders schweren Fällen kann die Versicherungsleistung sogar gänzlich ausgeschlossen sein, dies ist aber insbesondere in KfZ-Versicherungsfällen einschlägig.[24]
Hat der Versicherungsnehmer den Brand vorsätzlich, im Sinne einer Eigenbrandstiftung herbeigeführt, ist die Versicherungsleistung nach § 81 Abs. 1 VVG kraft Gesetzes ausgeschlossen.
Was ist in Fällen von Brandstiftung?
Was passiert aber in Fällen, in denen eine andere Person vorsätzlich einen Brand am eigenen Haus verursacht? Übernimmt die Wohngebäudeversicherung Schäden, die durch Brandstiftung entstehen?
In der Wohngebäudeversicherung sind grundsätzlich auch Brandschäden infolge von Brandstiftung mitversichert. Die Versicherung kommt dabei für alle durch die Brandstiftung entstandenen Schäden auf, wenn die „Beschädigung durch unbefugte Dritte“ im Vertrag enthalten ist. Auch dabei fallen ausschließlich Gebäudeschäden unter die Wohngebäudeversicherung, während Inventar- und sonstige Schäden zur Hausratversicherung zählen.
Wird der Täter, der den Brand gelegt hat ermittelt, kann die Versicherung allerdings wiederum den Täter für den gezahlten Schaden in Anspruch nehmen. Der verursachte Schaden wird allerdings nicht von der privaten Haftpflichtversicherung des Täters übernommen, da auch dabei für vorsätzlich begangene Taten kein Versicherungsschutz greift.[25]
Werden auch Nutzungsausfallschäden von der Versicherung übernommen?
Gerade größere Brände in Wohnhäusern können mit einem erheblichen Ausmaß an Schäden einhergehen. Diese können gegebenenfalls so schwerwiegend sein, dass lange und zeitintensive Reparaturarbeiten am Haus erforderlich werden. Im schlimmsten Fall kann das Haus oder die Wohnung in dieser Zeit sogar gar nicht erst bewohnt werden, sodass in diesem Zeitraum alternative Unterbringungskosten, z.B. durch eine Mietwohnung oder ein Hotel, entstehen können. Man spricht dann von sogenannten Nutzungsausfallschäden.
Aber übernimmt die Wohngebäudeversicherung Nutzungsausfallschäden?
Nutzungsausfallschäden können grundsätzlich auch von der Versicherung erfasst sein, allerdings greift dabei in der Regel eher die Hausratversicherung des Bewohners, statt der Wohngebäudeversicherung. Dies kann aber ebenfalls, je nach Versicherung oder Tarif, variieren. Die Versicherung zahlt Unterbringungskosten, sofern diese ausdrücklich im Versicherungsvertrag enthalten sind. Dabei sind aber häufig Höchstdauergrenzen festgelegt, für die die Versicherung aufkommt.
Der Schaden kann in bestimmten Fällen jedoch auch durch eine fremde private Haftpflichtversicherung beglichen werden, beispielsweise wenn das Feuer grob fahrlässig durch einen Nachbarn entstanden ist oder auch im Falle der Brandstiftung.[26]
Im Rahmen der Wohngebäudeversicherung können darüber hinaus Mietausfallschäden enthalten sein. Diese liegen vor, wenn die beschädigte Wohnung oder das Haus infolge des Schadens nicht vermietet werden können und dem Eigentümer dadurch die Mieteinnahmen entgehen. Auch dabei gilt: die Versicherung übernimmt Mietausfallschäden, sofern sie ausdrücklich im Versicherungsvertrag enthalten sind. Dazu können außerdem Nebenkosten, wie Transport und Einlagerung von Einrichtungsgegenständen zählen.[27]
Wie sollte man sich im Brandfall verhalten?
Der Ausbruch eines Brandes stellt eine enorme Ausnahme- und Stresssituation dar, bei der man situationsspezifisch handeln sollte.
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Löschversuch (WENN MÖGLICH)
Je nach Umfang und Ausmaß des Brandes kann man zunächst grundsätzlich versuchen einen Löschversuch zu unternehmen. Dabei wird allerdings als Faustregel festgehalten, dass man Löschversuche nur unternehmen sollte, wenn man den Brandherd noch erkennen und bekämpfen kann. Kleinere Brände können dabei am besten mit Löschdecken oder Feuerlöschern, im Zweifel auch mit Wasser bekämpft werden.
Dabei ist zu beachten, dass Fettbrände NIEMALS mit Wasser gelöscht werden dürfen, da dadurch eine riesige Stichflamme entsteht.
Akkubrände können hingegen mit viel Wasser oder mit einem Feuerlöscher gelöscht werden. Dafür sollte man das elektronische Gerät jedoch unbedingt vorher vom Strom nehmen und gegebenenfalls die Sicherung ausschalten. Da sich Akkus nach einer Zeit auch erneut entzünden können, sollte der Akku anschließend in einem Behälter mit sehr viel Wasser oder alternativ mit Sand bedeckt im Freien gelagert werden.[28]
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Eigene Sicherheit
Ansonsten stellen etwaige Versuche das Feuer zu löschen ein zu großes Risiko dar und bringen einen selbst in Gefahr! Deshalb sollte in größeren Brandfällen unbedingt von solchen Versuchen abgesehen werden!
Im besten Fall sollten außerdem die Türen zu brennenden Räumen geschlossen werden, damit das Feuer sich weniger schnell ausbreiten kann.
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Gebäude verlassen
Anschließend müssen alle im Haus befindlichen Personen alarmiert und das Gebäude umgehend auf schnellstem Wege verlassen werden. Dabei sollte man möglichst nicht durch stark verrauchte Räume gehen, da Rauch giftige Substanzen enthält und nach wenigen Atemzügen zum Bewusstseinsverlust führen kann.
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Feuerwehr alarmieren & Anweisungen befolgen
Um den Brand möglichst schnell zu löschen und die Gefahr zu beheben, sollte man zudem schnellstmöglich die Feuerwehr unter 112 alarmieren! Es sollte sich an alle Anweisungen der Rettungskräfte gehalten werden.[29]
Im besten Fall sollte man jedoch versuchen ein Feuer möglichst gar nicht erst ausbrechen zu lassen. Dafür sollte man vorbeugende Maßnahmen ergreifen, um das Risiko von Beginn an einzudämmen.
Was kann man tun, um Brände im Haushalt vorzubeugen?
Um das Brandrisiko im eigenen Haushalt zu reduzieren sollte man zunächst darauf achten offensichtliche Gefahrenquellen wie brennende Kerzen, den angeschalteten Ofen, Toaster und Ähnliches im Blick zu behalten und nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Gerade beim Herd sollte beachtet werden keine Gegenstände außer Töpfen und Pfannen auf den Herd zu legen.
Um Brände im Bereich der Elektronik vorzubeugen sollte man außerdem darauf achten häufig genutzt oder ältere Geräte sowie brüchige Stecker und Kabel regemäßig auszutauschen. Zudem sollte man beachten die Stecker möglichst beim Verlassen des Raumes oder des Gebäudes zu ziehen.
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Mehrfachsteckdosen
Um eine Überlastung von häufigen Quellen wie Mehrfachsteckdosen zu vermeiden, sollte ebenfalls beachtet werden nicht zu viele Geräte gleichzeitig an eine Steckdosenleiste anzuschließen und vor allem nicht mehrere Mehrfachsteckdosen ineinander zu stecken. Gerade bei größeren Mehrfachsteckdosen sollten bestenfalls nicht alle Anschlüsse belegt werden, um eine Überlastung zu vermeiden.
Dabei sollte auch darauf geachtet werden möglichst hochwertige elektronische Geräte zu kaufen und keine Billig-Produkte anzuschaffen, da das Risiko von Überlastungen oder Kurzschlüssen deutlich höher sein können.
Einige Geräte, Kabel oder auch Mehrfachsteckdosen verfügen außerdem über ein Haltbarkeitsdatum, welches beachtet werden und dazu veranlassen sollte, das betreffende Gerät rechtzeitig auszutauschen.
Bei elektronischen Geräten, wie Föhns, Toastern, Lampen und so weiter sollte darüber hinaus beachtet werden, sie nicht in die Nähe leicht entzündlicher Materialien, wie Stoff oder Pappe zu legen oder gegebenenfalls regelmäßig den umliegenden Staub zu entfernen.
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Akkus
Dies gilt gerade auch für Akkus: Ein hohes Brandrisiko geht bei Lithium-Ionen-Akkus primär von sehr günstigen „No-Name-Artikeln“ sowie von billigen Austauschakkus für hochwertige Markengeräte aus.[30]
Zudem sollten defekte Akkus rechtzeitig ausgetauscht werden. Einen Defekt merkt man insbesondere an einer kürzeren Laufzeit, ein schnelles Entladen, Überhitzung oder auch austretende Flüssigkeit. Beim Austausch muss der Akku außerdem ordnungsgemäß entsorgt werden. Dafür sollte er keinesfalls in den Hausmüll geworfen werden, sondern über Wertstoff- und Recyclinghöfe oder Geschäfte, in denen die Akkus gekauft wurden entsorgt werden. Beim Transport sollte der Akku in ein feuerfestes Behältnis gegeben werden.
Um einen Brand vorzubeugen sollten Akkus darüber hinaus korrekt gelagert und aufgeladen werden. Dafür sollten sie beispielsweise nur mit den dazu vorgesehenen Kabeln und den zugehörigen Geräten geladen werden, vor starker Sonneneinstrahlung geschützt werden und auf einem nicht brennbaren Untergrund aufgeladen werden. Zudem sollten sie nicht unbeaufsichtigt gelassen werden, während des Ladevorgangs.[31]
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Weitere Sicherheitsmaßnahmen
Ferner ist es gesetzlich verpflichtend seine Wohnung oder sein Haus mit funktionierenden Rauchmeldern ausstatten, um im Falle von Rauchentwicklung oder Flammen rechtzeitig gewarnt zu werden und schnell Maßnahmen ergreifen kann. Dabei können außerdem vernetzte Geräte eine Hilfe darstellen, insbesondere bei älteren Bewohnern mit Hörschwierigkeiten oder für nachts.
Zudem sollten erreichbare Feuermelder zur Verfügung stehen, auf die man im Falle eines Brandes zurückgreifen kann, um kleine Brände zu löschen. Auch Löschdecken können dazu platziert werden, gerade in der Küche.[32]
Zuletzt sollte man die Nummer der Feuerwehr im Kopf präsent haben. Kleine Erinnerung: das war die 112 🙂
[1] https://www.ifs-ev.org/schadenverhuetung/ursachenstatistiken/ursachenstatistik-brandschaeden-2024/.
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Elektrischer_Kurzschluss.
[3] https://www.bfb-cipi.ch/brandverhuetungs-tipps/detail/gefahren-bei-mehrfachsteckern-und-steckdosenleisten.
[4] https://www.feuerwehr-waldbronn.de/2017/03/28/brandrisiken-durch-falschen-umgang-mit-heizdecken-mehrfachsteckdosen/.
[5] https://www.ifs-ev.org/archiv/report/ifs_report_2024_1.pdf.
[6] https://www.bsbrandschutz.de/news/drei-viertel-aller-braende-entstehen-in-der-ladephase-4087710.html.
[7] https://www.ifs-ev.org/schadenverhuetung/feuerschaeden/lithium-ionen-akkus/; https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Akkubrand-So-kann-man-sich-schuetzen,akku212.html.
[8] https://brandschutz-zentrale.de/brandschutz/vorbeugen-und-verwenden/die-5-haeufigsten-brandursachen/.
[9] https://www.schadenprisma.de/wp-content/uploads/pdf/2013/sp_2013_3_4.pdf.
[10] https://brandschutz-zentrale.de/brandschutz/vorbeugen-und-verwenden/die-5-haeufigsten-brandursachen/.
[11] https://www.umfis.de/verzeichnis/brandschaeden/.
[12] https://finanz-kompass.de/feuerversicherung-brandschadenrisiko.
[13] https://baulisten.de/blog/brandschaden-sanierung-ablauf/.
[14] Pardey/ Balke/ Link, SchadensR, Wohngebäudevers., Rn. 71.
[15] https://www.axa.de/pk/haus-wohnung/a/brandversicherung.
[16] https://deutsche-schadenshilfe.de/brandschaden/hausbrand-was-zahlt-welche-versicherung/.
[17] Pardey/ Balke/ Link, SchadensR, Wohngebäudevers., Rn. 10 ff.
[18] https://deutsche-schadenshilfe.de/brandschaden/garagenbrand/.
[19] BGH, Urteil vom 24.01.2023 – VI ZR 1234/20.
[20] https://www.allianz.de/recht-und-eigentum/wohngebaeudeversicherung/feuerversicherung/#zustaendige-versicherung.
[21] KG Berlin, 11.01.2024 – 8 U 24/22.
[22] Langheid/ Wandt/ Looschelders, MüKo zum VVG, § 81, Rn. 68.
[23] https://www.allianz.de/recht-und-eigentum/wohngebaeudeversicherung/feuerversicherung/#zustaendige-versicherung.
[24] BGH, Urt. v. 11.01.2012 – IV ZR 251/10.
[25] https://www.verivox.de/wohngebaeudeversicherung/ratgeber/zahlt-die-wohngebaeudeversicherung-bei-brandstiftung-1120416/.
[26] https://deutsche-schadenshilfe.de/brandschaden/brand-unterbringungskosten-hotelkosten-versicherung/.
[27] LG Potsdam, 02.02.2022 – 2 O 291/19.
[28] https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Akkubrand-So-kann-man-sich-schuetzen,akku212.html.
[29] https://www.malteser.de/aware/hilfreich/achtung-feuer-wie-du-richtig-reagierst-wenn-es-brennt.html.
[30] https://www.ifs-ev.org/archiv/report/ifs_report_2024_1.pdf.
[31] https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Akkubrand-So-kann-man-sich-schuetzen,akku212.html.
[32] https://www.malteser.de/dabei/beratung/brandpraevention-mehr-sicherheit-zu-hause.html.
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Fachanwalt für Medizinrecht und Versicherungsrecht
Ein Beitrag von Laura Thrun.
Stand 06.03.2026


